Saturday, 4. June 2005

Fight Club



Man kann Fight Club auch mal „anders“ sehen: Gestern, im Rahmen einer Cultural/Gender Studies-mäßigen Lehrveranstaltung gab es einen DVD-Abend in einem Pub. Total gemütlich, und abgesehen davon kann man Filme wie Fight Club sowieso nicht oft genug gesehen haben.

Als ich Fight Club zum ersten Mal gesehen habe, war ich einfach von der Idee, der Geschichte begeistert. Gestern sollten wir bewusst auf das, was zwischen den Zeilen… äh, Bildern steht, achten. Beim der anschließenden Diskussion gab es einiges an Interpretationsvorschlägen:

Den feministischen Standpunkt (Mala Zinger ist die von einer patriarchalischen Gesellschaft unterdrückte Frau, sie will (im übertragenen Sinne) „singen“ (daher auch der Name), aber keiner hört sie. Am Ende wird sie nicht mehr als unterlegen, sondern gleichberechtigt angesehen (die Szene mit dem Händchenhalten und das Happy End, die zusammenstürzenden Hochhäuser als fallende Phallus-Symbole).

Den politischen Standpunkt: Das ganze erinnert an 0911, interessanterweise ist der Film aber älter. Auflehnung gegen eine kapitalistische Konsum-Gesellschaft, Anarchie, dann aber wieder Aufbau eines faschistische Systems mit Struktur und Regeln, der Wunsch nach Macht und Einfluss…
Die Seife fungiert als Symbol für die „Schlüpfrigkeit“, die Vergänglichkeit jedes politischen Systems (gleichzeitig natürlich auch für „take ist easy“, „gleite“ durch dein Leben).

Den Gender-Studies Ansatz: Brad Pitt als eine gegen ihren Schöpfer (Edward Norton) rebellierende Eva (Parallelen zu Genesis – auch Gott und Adam „verlieren die Kontrolle“ über Eva). [Brad Pitt! Rebellierende Eva!!! *brüll!*]

Den psychologischen Standpunkt, der sich mit Tyler Durdans Schizophrenie auseinandersetzt…

Eine interessante Frage wurde aufgeworfen: Warum ist die Antwort auf Langeweile Männlichkeit (Kampf) und nicht zum Beispiel ein Blumenzüchterclub? (Ich würde mal sagen, weil kaum jemand ins Kino gegangen wäre um einen Film über eine Gruppe gesellschaftlicher Außenseiter zu sehen, die einen neuen Lebensinhalt im Philosophieren über den Unterschied zwischen hellgelben und dunkelgelben Tulpen finden).

Und noch etwas interessantes ist mir aufgefallen: Im Kettcar-Song „Ich danke der Academy“ kommen zwei englische Sätze vor („I’d like to thank the academy“ und „The movie goes on, and nobody in the audience has any idea.“) Die sind beide aus der Englischen Fight-Club Version entnommen (Original-Stimmen…)

Was allerdings auch gesagt werden muss: Chuck Palahniuk (der Autor) hat einmal in einem Interview gesagt, dass er ganz einfach ein Buch geschrieben hat (weil ihm eben danach war, ein Buch zu schreiben, einfach aus Spaß an der Sache), dass er sich eine Geschichte ausgedacht hat, nicht mehr und nicht weniger, und keinerlei Gedanken daran verschwendet hat, diverse versteckte Botschaften einzubauen.
Also entweder hat sein Unterbewusstsein (das Freud’sche „Es“, die dunkle Seite seiner Seele oder was auch immer) ihm das Buch diktiert, oder aber das ist wieder mal ein Beispiel dafür, wie leicht man Dinge sehen kann, die eigentlich gar nicht da sind…

'We are nowhere, and it's now'

Radio, so nebenbei, im Hintergrund. Und plötzlich ein Lied – und ich muss aufhören mit was auch immer ich gerade tue und versuchen, mitzusingen, obwohl ich nichtmal den Text kenne. Im Zimmer hin- und herlaufen. Und ich weiß: Ich muss dieses Lied haben! Jetzt! Sofort!
Und dann: Eine Endlosschleife Bright Eyes.
Am Anfang einfach nur das Lied mögen und es hören wollen. Dann, irgendwann, beginnt man, immer mehr auf den Text zu achten. Manchmal passt der Text genau zum ersten Eindruck, manchmal überhaupt nicht. Bei den Bright Eyes passt er dazu. Genau wie die Stimme und die Melodie, ein bisschen melancholisch, nachdenklich, aber nicht pessimistisch, irgendwie mit einem kleinen bisschen versteckter Fröhlichkeit… Und es ist ein verdammt guter Text.
Ein bisschen wie ein Film, er erzählt eine Geschichte, allein durch Andeutungen, ein bisschen wie ein Gedanke, der übers Leben philosophiert, über Nichtigkeit und sich fragt, warum wir nicht ganz einfach sind, wie wir uns fühlen. Irgendwie wie jemand mit viel Lebenserfahrung, den nicht mehr viel aus der Ruhe bringen kann, der dir erzählt, wie es ist - hier, in dem kleinen Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft…

paramañana.

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