...

In einem Literaturtheoriebuch einen Satz von Paul de Man finden:

"Kein normaler Mensch käme auf die Idee,
mithilfe des allein vom Wort 'Tag' gespendeten Lichts
Wein anzubauen."
caliente_in_berlin - 5. Nov, 18:56

Das musste ich an der Uni nicht lesen...

thisandthat - 5. Nov, 19:00

das buch ist von jonathan culler, und es ist - interessanter weise, obwohl es ein an und für sich trockenes gebiet behandelt - immer wieder amüsant. (ich hab gerade prüfungsfragen ausgearbeitet...)
caliente_in_berlin - 5. Nov, 19:02

Aber irgendwie...ich weiss nicht...entweder schränkt mein Schnupfen mein Gehirn ein...oder keine Ahnung. Ich bräuchte noch den Zusammenhang...check das Zitat nicht so richtig *schäm*.
thisandthat - 5. Nov, 19:08

"[...] Ist das Erzählen ein Ausgangspunkt für das Wissen oder ein Ausgangspunkt für die Illusion? Ist das von ihm präsentierte vermeintliche Wissen nicht doch ein bloßer Effekt des Begehrens? Wie der Literaturwissenschaftler Paul de Man festgestellt hat, käme zwar einerseits kein normaler Mensch auf die Idee, mithilfe des vom Wort 'Tag' gespendeten Lichts Wein anzubauen, doch fänden wir es andererseits auch extrem schwierig, uns ohne die Sinnmuster narrativer Fiktionen eine Vorstellung von unserem Leben zu machen. Bedeutet dies, dass die aufklärenden und tröstenden Wirkungen von Geschichten irreführend sind? [...]"

aus: Jonathan Culler, Literaturtheorie - Eine kurze Einführung
TheSource - 5. Nov, 19:01

Ich liebe es :-)

thisandthat - 5. Nov, 19:02

du kennst das buch? oder du liebst den satz? ;-)
TheSource - 5. Nov, 19:10

Ich liebe

das Buch - ob seines trockenen Amüsements :-)

(Nachtrag: Zu Culler fällt mir, sozusagen als literarisches Widersprechen, ein: Das Universum besteht aus Geschichten, nicht aus Atomen. So jedenfalls argumentierte ich, säße er mir gegenüber *g)
thisandthat - 5. Nov, 19:19

an und für sich mag ich das gebiet literaturtheorie nicht. literatur sollte man weder katalogisieren noch analysieren noch in kategorien zwängen; man darf nicht krampfhaft ein system hinter allem sehen wollen.
literatur lässt sich nicht objektiv bewerten - jeder sollte seinen ganz persönlichen zugang finden und in oder auch zwischen den zeilen lesen, was auch immer er für wichtig und richtig hält.

culler mag ich trotzdem - er vermittelt anschaulich und einfach gut die verschiedenen ansätze, zieht wunderbare vergleiche ("Vielleicht ist Literatur wie Unkraut.") - herrlich!
TheSource - 5. Nov, 19:22

Systeme

Auch hier: Die immer wiederkehrende Kontroverse, der immer wiederkehrende Kampf:
Chaos vs. Kosmos.
Beides hat Berechtigung, beides ist - für sich genommen - Unsinn.
Strukturloses wie Kategorisiertes. Und, am Ende, wer weiß schon, ob wir nicht in diesem Moment Protagonisten einer Geschichte sind, die sich selbst durch uns schreibt?
(Sehr wahrscheinlich sind wir es sogar - und doch nicht. Darin liegt die unglaubliche Köstlichkeit der Ekstase wie des Unkrauts :-) )
thisandthat - 5. Nov, 19:29

protagonisten wie sofie und alberto?

vielleicht sind wir viel kleiner, als wir uns vorstellen können, spielen nur eine unbedeutende nebenrolle, ameisen im kosmos.
aber: wir haben teil an der geschichte, vielleicht formulieren wir sogar hin und wieder einen nebensatz, eine fußnote, setzen, ganz bewusst, einen punkt mitten im chaos?
TheSource - 5. Nov, 19:45

Oder aber sind das Chaos und die Punkte suchen uns, um sich, gleich Sonnen, in uns zu entflammen.
(Mich dünkt, das ist jetzt eine sehr weibliche Betrachtungsweise meinerseits :-) )
thisandthat - 5. Nov, 19:55

nachdem ich mich gerade eingehend mit französischen poststrukturalistischen feministinnen beschäftigen muss/darf, die darauf hinauszuwollen scheinen, dass weibliche betrachtungsweisen in einer patriarchischen sprachgesellschaft gar nicht möglich sind, ist das eine schönes gegenargument ;-)

ich bin eher dafür, dass das chaos rund herum herrscht und wir die punkte sind - oder aber, dass wir im chaos hin- und hergworfen werden, aber mit jedem punkt, den wir festmachen, dem chaos ein bisschen mehr herr (oder frau;-) werden.
TheSource - 5. Nov, 22:47

Klassische Aussage:

"Ein männlicher Stern wächst von innen nach außen, ein weiblicher von außen nach innen".
(Rosenkreuzsymbolik)
Da ist mehr hinter, als auf den ersten Blick scheint, tatsächlich haben Männer sehr oft genau diese zentral-Qualitäten und das Uferlose des Weiblichen, da stehe ich zu.
Was die Feministinnen da meinen, kann ich zwar nachvollziehen - aber ich geb nix drauf ;-)
Raducanu - 6. Nov, 01:27

Französische poststrukturalistische Feministinnen, einfach herrlich! Klingt, als wär's ein Funny van Dannen-Titel. ; )
Deine Vorbehalte gegenüber der Literaturtheorie kann ich durchaus ein wenig teilen. Andererseits nehme ich sie kein bisschen ernst. Von daher kann es bisweilen äußerst amüsant sein, sich mit ihr zu beschäftigen.
thisandthat - 6. Nov, 02:28

@ theSource: rosenkreuzsymbolik sagt mir nicht viel - erklär mal! ;-)

@ raducanu: ja, es kommt eben darauf an, wie man an die theorie herangeht.
...ein funny van dannen-fan? *g* ich kenne nur das album "herzscheiße". gewöhnungsbedürftig, aber ziemlich witzig!
Raducanu - 6. Nov, 05:09

Funny mag ich schon ganz gern, ja. Hab drei Alben von ihm, Herzscheiße kenn ich leider noch nicht. Dürfte aber grundsätzlich nicht so viel anders als die anderen Platten sein.
caliente_in_berlin - 6. Nov, 09:36

Ich weiss nicht warum...aber ich bin ein Funny-Fan der ersten Songs. Herzscheisse mag ich nicht so...obwohl es eigentlich wie immer Funny ist...also hat sich kaum was am Stil geändert...
TheSource - 6. Nov, 14:17

@ thisandthat

Rosenkreuzersymbolik simpel: Rose und Kreuz.
"Das Universum, das sich in einer Rose entfaltet und in einem Kreuz zusammenzieht".
Raducanu - 6. Nov, 14:44

Funny muss man halt einfach mögen. Das ist die Sorte Mensch, mit der man gerne auch befreundet wäre.
thisandthat - 6. Nov, 14:49

muss mir funny wieder einmal bewusst anhören! so gut kenn ich ihn gar nicht.

an den flügeln gepiercte tauben im sonnenschein ;-)

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