Leaving November Rain

Im November, bei Wetter wie gestern - nebelig, hin und wieder Nieselregen, kühl, aber nicht so kalt, dass man Dampfwolken atmet, Lust haben, loszugehen, immer weiter, über Wiesen und durch Wälder streifen, stundenlang. Als das Gefühl einsetzt, stehe ich vor dem Haus, freundliche gelbe Rechtecke vor und hinter mir das Rauschen des Verkehrs, der Klang, den Autoreifen nur haben, wenn die Fahrbahn nass und glänzend ist. Der Himmel grün und dann grau; ich habe nicht die geringste Lust, jetzt hineinzugehen und wieder eine von allen zu werden. Wer braucht schon einen Fernseher? Viel lieber auf einem Berg stehen und hinunter blicken auf Wien, sich an einem Gedanken freuen, den in diesem Augenblick niemand sonst denkt.
Genau jetzt beginne ich wieder, das Verstehen zu verstehen, ich habe, merke ich, über den Sommer nur vergessen, wie man versteht.
aiiiia - 6. Nov, 14:14

Schön, sehr schön....
Man mag dieses Wetter so schlimm finden, wie man will - mit der klammen Feuchtigkeit dringt manchmal auch die Klarheit durch dicke Schichten Kleidung an Herz und Verstand. Das kann kein noch so schöner Sommertag erzeugen...

thisandthat - 6. Nov, 14:20

ja, irgendwie beginnt man um diese jahreszeit immer ein bisschen mehr zu philosophieren als sonst...
und obwohl ich im sommer nie will, dass es winter wird, mag ich auch den ganz eigenen charme der kalten jahreszeiten, wenn sie erst einmal begonnen haben.
aiiiia - 6. Nov, 14:30

Nein, ich mag diese Jahreszeiten (Herbst + Winter = gleich schlimm) überhaupt nicht. Oder zumindest zu 95%. Mit 5% Laubhaufenspringen, Maronibraten und Schneemannbauen kann ich ganz gut leben, aber diese ganzen furchtbaren Begleiterscheinungen wie diese dauernde Dunkelheit und kalte Füße haben etc - nein, das möchte ich bitte alles nicht.
Und doch ist es wohl irgendwie gut, mal wieder "runterzukommen", ein bisschen zu philosophieren, wie du sagst, dafür ist mir der Sommer irgendwie zu....hmmm..."hektisch".
Vielleicht ist das auch der Grund, warum bei vielen Leute die Stimmung zu dieser Jahreszeit so sinkt - weil man sich eben mehr Gedanken macht und vielleicht ein bisschen tiefer in sich hinheinhorcht...

Wo ist denn eigentlich dieser Berg zum runterschauen? Hast du da vielleicht eine Empfehlung?
freakchica (anonymous) - 6. Nov, 14:35

es gibt ja auch wunderschöne gedicht zur thematik... herbst ist die zeit der poesie, find ich, irgendwie
thisandthat - 6. Nov, 14:38

@ aiiiia: ich mag das wetter deshalb, weil nur jetzt guten gewissens ganzen tag vom bett aus fernsehen kann, weil es heiße schokolade und maronitorte gibt, und weil bald weihnachten ist, weil es so richtiges kuschelwetter ist, weil ich im november geburtstag habe und weil man im winter schiefahren kann, und schneebälle schlachten, und, und und :-)

der berg steht in hütteldorf, nähe lainzer tiergarten. man kann über stufen hinaufgehen, und wenn man ganz oben steht und es finster ist, sieht man die lichter von wien... ein wahnsinns ausblick!

@ freakchica: kennst du solche? erzähl ein herbstgedicht! (am besten natürlich ein selbstgeschriebenes;-)
aiiiia - 6. Nov, 14:48

So wie du das aufzählst klingt das ja richtig verlockend - da will ich gleich gar keinen Sommer mehr ;)

Ich glaube, von diesem Berg hast du eh mal was bei mir geschrieben, oder? Wollte ja schon ewig da hin, aber irgendwie ergibt sichs nie... :(
thisandthat - 6. Nov, 14:51

ja, ich glaube, ich hab dir mal vorgeschlagen, da hinaufzuspazieren... du hast damals geschrieben, dass du grade nach einem ausgleich suchst (?) oder so was ähnliches...

p.s.: übrigens *freu*, dass du dich auch mal wieder hier blicken lässt! :-)
aiiiia - 6. Nov, 14:56

Stimmt, ich erinner mich :) Im Moment steh ich ja sehr drauf, draußen zu lesen (natürlich in 27 Schichten eingepackt) - das ist glaube ich ein guter Kandidat dafür :)

Mir ists ja schon ein bisschen unangenehm, dass ich in letzter Zeit so selten kommentiert hab... Die Texte sind ja wirklich schön (muss ja auch mal gesagt werden!), aber ich weiß so oft irgendwie nicht recht etwas dazu zu sagen...
thisandthat - 6. Nov, 15:03

draußen lesen?! *zitter*, also das ist zur zeit nichts für mich! eher unter der decke liegen und schmökern, dazu einen heißen kaffee trinken!

naja, ich finde ohnehin, dass man besser nicht kommentieren sollte, als einfach - nur um irgendetwas zu schreiben - irgendwas zu schreiben. das geht mir bei dir (irgendwann hast du deinem blog einen neuen stil zugelegt *g*) auch manchmal so. hab mir nur gedacht, du kommst gar nicht mehr bei mir vorbei. auf jeden fall freuts mich, wenn doch :-)
aiiiia - 6. Nov, 15:20

Wenn man erstmal eine Stunde draußen gelesen hat schmeckt der Tee/Kaffee/heiße Schokolade gleich nochmal so gut! ;)
Außerdem kann man zwischen zwei Seiten so wunderbar Leute beobachten :)

Joa, irgendwie gehts bei mir stilmäßig durcheinander, aber das ist dann wohl einer guter Spiegel für das real life :)
Jedenfalls bin ich doch öfter hier - zumindest als stiller Leser :)

PS: Sieht man sich eigentlich beim nächsten Bloggertreffen wieder?
thisandthat - 6. Nov, 17:02

sitzt du dabei am balkon? oder auf einer parkbank? (wegen dem leute beobachten)

ich hab schon von dem bloggertreffen gelesen, bin aber noch am überlegen, ob sich das bei mir ausgeht - diese zeit ist unimäßig extrem stressig bei mir (presentations hier und mid term tests da...) kommst du?
aiiiia - 6. Nov, 21:08

Ich setz mich für sowas gerne in einen Park. Oder als es die noch gab auf die grünen "Sofas" im MQ. Vielleicht irgendwas nettes von Starbucks in der Hand und perfekt :)
Ich werd sicher mal so ein Pensionist, der den ganzen Tag lang am Fensterbrett aufgestützt auf die Straße schaut und über die Jugend schimpft :)

Beim Bloggertreffen bin ich wieder dabei - würde mich freuen, wenn du dabei wärst! Aber Unistress kann ich ja auch nachvollziehen - aber vielleicht geht sichs ja irgendwie aus... :)
thisandthat - 7. Nov, 01:48

ah, einer von den netten alten herrschaften, die unsereins in der u-bahn spazierstockschwingend vom sitzplatz verjagen und im park tauben und kleine kinder vergiften ;-)

ja, mal schaun was sich ausgeht.
studierst du jetzt eigentlich in wien oder in graz?
aiiiia - 7. Nov, 08:08

Genau so einer! :) Und danke für den Tipp mit den kleinen Kindern, die kann ich dann ja auch gar nicht ausstehen weil die sind ja alle laut und ungezogene Gören :)

Ich studiere eigentlich in Graz, aber arbeite im Moment in Wien... Mag das aber online nicht so ausbreiten - weitere Details wenn du möchtest per Mail - oder beim Bloggertreffen :)
thisandthat - 7. Nov, 10:13

bin neugierig, aber weiß nicht, ob ich's zum bloggertreffen schaffe... darfst also gern ein mail tippseln ;-)
Raducanu - 6. Nov, 15:33

Ein sehr schöner Text. Ich denke auch , dass der Herbst - trotz Regens und Schmuddelwetters - seine Berechtigung, ja seine ihm ureigene Schönheit hat. Mach auch gerade so einen Selbstfindungstrip durch, der mir mehr als gut tut.
In Sachen Herbstgedicht hier ein sehr schönes von Rilke:

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


thisandthat - 6. Nov, 17:14

Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.


Nicolaus Lenau
Raducanu - 6. Nov, 17:27

Auch ein sehr schönes Gedicht, wie ich vor kurzem an anderer Stelle schon feststellte.
thisandthat - 6. Nov, 17:36

ah, da ist es ja nochmal :-)
der herbst scheint wirklich eine "poetische" jahreszeit zu sein!
auch schon einmal selbst etwas gedichtet?
Raducanu - 6. Nov, 17:44

Vor ca. zwei Wochen hab ich mich mal an ein Herbstgedicht gesetzt und das Ganze nach etwa fünf oder sechs Versen fürs erste eingestellt. Man muss so wahnsinnig an der Wortwahl feilen, das geht auf Kommando nicht wirklich.
thisandthat - 6. Nov, 17:55

bei mir funktioniert sowas auch nicht, wenn ich mich bewusst dazu hinsetze. wenn, dann fallen mir ganz unerwartet ein paar schöne zeilen ein, irgendwo, in der u-bahn, beim spaziergang mit dem hund, vor dem einschlafen (und sind beinah so schnell wieder weg, wie sie aufgetaucht sind). aber im allgemeinen bin ich, glaube ich, eher zum prosa schreiben zu gebrauchen...

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