Die fetten Jahre sind vorbei



Die Story: Peter und Jan, die selbsternannten „Erziehungsberechtigten“, brechen nachts in Villen ein, während deren Besitzer auf Urlaub sind. Sie stehlen nichts, sondern verstellen die Möbel – die Stereoanlage in den Kühlschrank, das Sofa in den Swimmingpool - und hinterlassen eine Botschaft: „Die fetten Jahre sind vorbei.“. So wollen sie den Reichen ihr Gefühl von Sicherheit nehmen, ihnen jedes Mal, wenn sie am Bankschalter stehen, eine leise Stimme ins Ohr zu setzen, die ihnen zuflüstert: „Sie haben zu viel Geld!“
Eines Nachts werden sie erwischt und in Folge zu Entführern wider Willen…

Eine gelungene Kombination aus Amateurfim-Stil, Idealismus und intelligentem Humor, ein gesellschaftskritischer, idealistischer Film, der aber nicht nur verurteilt, sondern auch aufzeigt, dass die Welt sich letztendlich doch nicht so einfach in Schwarz und Weiß einteilen lässt. Drei Jugendliche, die sich ganz bewusst von der Herrschaft des Kapitalismus distanzieren und über ihre Ideale nicht nur reden, sondern diese leben, und das Opfer der unfreiwilligen Entführung, einer, der vom System profitiert, aber deshalb auch nicht unbedingt glücklicher ist, verbringen ein paar Tage mit politischen Diskussionen in einer Berghütte. Dabei finden sie bald heraus, dass ihr Gefangener – früher selbst ein Linker, der Haschisch geraucht und freie Liebe praktiziert hat - ihnen gar nicht so unähnlich ist.

Paul Weingartner Werk, das ihm eine Einladung nach Cannes einbrachte, ist eine Gegenüberstellung zweier völlig verschiedener Welten – auf der einen Seite Jan, Peter und Jule, die sich nicht mit der Wohlstandsgesellschaft, in der sie aufgewachsen sind, ohne je wirklich dazugehört zu haben, identifizieren können, auf der anderen Seite die Welt der Großen, (Erfolg)reichen in der Person des gar nicht so unsympathischen Managers Hardenberg.

Das Handkamera-Bild und die in vielen Szenen abwesende Musik, die jedem kleinen Geräusch (dem Kratzen eines Schlüssels über den Lack eines Autos, dem Rascheln, das beim Öffnen eines Briefes entsteht…) Bedeutung verleiht, sorgen für eine ganz eigene, authentische Stimmung. Sieht man den Film im Kino, fühlt man sich richtig hineinversetzt in diese Welt; zu Hause am Fernseher ist das Erlebnis ein bisschen gedämpfter, man bleibt Zuschauer, nicht Mitleber, was den Film aber nicht weniger sehenswert macht.

Anschauen und Nachdenken über Politik und Geld, Freundschaft, Liebe und die Ideale, die man hat(te) oder auch nicht. Und die Botschaft? Vielleicht kommt es nicht so sehr darauf an, seine Ziele um jeden Preis zu erreichen, als darauf, sich selbst treu zu bleiben und seine Werte nie ganz aufzugeben, auch wenn sich die Welt weiterdreht.

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