Cinema
thisandthat - 11. Mar, 03:52
Persona (Ingmar Bergman, Sweden 1966)
What Time Is It There? (Mi-liang Tsai, Pi-ying Yang, Taiwan / France 2001)
"A movie that causes us to ask these kinds of questions deserves to be seen. A movie that thinks it knows the answer to them deserves to be pitied. Most movies do not know these questions exist."
(Chickago Sun-Times about
What Time Is It There?)
thisandthat - 13. Dec, 15:00
"What do we leave behind when we cross each frontier? Each moment seems split in two; melancholy for what was left behind and the excitement of entering a new land."
(
The Motorcycle Diaries)
thisandthat - 1. Aug, 19:41
Ein sehr sehenswerter Film. Weil komisch. Weil wirklich, wirklich komisch. Weil Kinosaal voller lachender Menschen immer der richtige Ort. Weil Stermann und Grissemann, und weil überhaupt. Weil herrlich absurde Geschichte. Baisch, Anzengruber und Schwanenmeister, unterwegs in dem Mercedes, der einmal Kurt Waldheim gehört hat, weichen auf nächtlicher Straße einer Geherin aus und finden sich im Wald wieder, eingeklemmt zwischen zwei Bäumen. Die Panzerglasscheiben des Waldheim’schen Wagens lassen sich nicht einschlagen, das Schiebedach funktioniert nicht. Man verkürzt sich das Warten mit Prosecco und Heringsalat und kommt einander näher, in vielerlei Hinsicht. Rettung scheint nahe, als der kleine Toni auftaucht. Der denkt aber gar nicht daran, Hilfe zu holen, sondern tauscht in seinem Verhaltensforschungsprojekt die Ratte gegen menschliche Versuchskaninchen aus...
Der fast einzige Schauplatz parkt inzwischen vorm Museumsquartier. Zum anschauen. Und angreifen. Für alle, die noch
immer nie am Meer sind. (Aber vielleicht wollen wir dort ja auch gar nicht hin.) Und für alle anderen auch.
thisandthat - 17. Mar, 00:45
And so it is
just like you said it would be
life goes easy on me
most of the time...
I just saw
Closer. A honest movie, and a sad one too.
There is the scene when Dan finally finds out about Alice's fake name in
Postman's Park. And the first scene paralleling the closing one, the people in the street and Damien Rice's
The Blower's Daughter capturing everything the movie is about in its lyrics. And all this little long, true moments in between...
There is no need for special effects or surprising twists; the movie reflects this picture of what happens, in different versions, everywhere and every day: egoism, infidelity, unsteadiness, the lies to ourselves and to others. (What 'it' is like: No hope that 'it' might change for better or worse? Believe and pretend, leave and be left, start from the beginning with the old optimism to proudly walk towards the same pessimistic ending again?)
Definitely worth seeing (if you like this kind of cinematic truth and de-romantization). And
Mike Nichols, of course, simply makes good movies.
thisandthat - 28. Dec, 22:16
Staun. Schön. Wunderbar surreales Bild von zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Zum Lachen und Mitleben. Ein perfektes Ende mitten im Geschehen. (Weil man sonst ja immer zu wissen meint, was passiert, nachdem sie in den Sonnenuntergang geritten sind. Oder mit dem Ende unzufrieden ist. Oder glaubt, spekulieren zu müssen, was danach geschieht. Was hierfür alles nicht zutrifft. Aufstehen. Lächeln. Heimgehen.) Wenn beim aus dem Kino kommen die Welt verzaubert wirkt. Wenn all die kleinen, die wichtigen Details auffallen. Auf die Mariahilfer Straße hat jemand mit roter Farbe "Besetz dich selbst" geschrieben (das Gefühl, dass ein Rufzeichen fehlt). Auf einem Mistkübel beim Abgang zur U-Bahnstation Neubaugasse ein Aufkleber: "Mozart würde heute KPÖ wählen." Und ein bisschen kleiner: "Es ist genug für alle da." Beim Heimfahren, in der Straßenbahn, riecht es nach Pommes Frittes (aber nur bis Lytzowgasse), und bei Breitensee steht eine alte Frau auf, sie trägt eine Brille, um kurz vor der Tür zu merken, dass sie noch gar nicht aussteigen will.
Belle and Sebastian, Sleep the clock around (Nein, kommt nicht vor in dem Film. Trotzdem.)
thisandthat - 2. Oct, 22:16
It's the fear of what comes after the doing which makes the doing hard to do.
I just finished watching Angels in America, which is a play by Tony Kushner, turned into a TV miniseries. Principally, it's about homosexuality. AIDS. Painting a bitter-ironic picture of America of the 80ies. The Reagan era, political corruption. However, that's far from being everything – there is so much more in this movie: Imagination. Limitation. Relationships. Love. Religion. Valium-Hallucinations. Angels, of course... Weird. Ingenious. Deeply fascinating.
Nothing's lost forever. In this world there is a kind of... painful progress. Longing for what we've left behind and dreaming ahead.
...and did you happen to know heaven is just like San Francisco? Including earthquakes, and everything?
Roy Cohn (mistaking Belize for the Angel of Death): Let me ask you something, Sir.
Belize: "Sir"?
Roy Cohn: What's it like? After?
Belize: After...?
Roy Cohn: This misery ends?
Belize: Hell or heaven?
(Roy indicates "Heaven")
Belize: Like San Francisco.
Roy Cohn: A city. Good. I was worried... it'd be a garden. I hate that shit.
[...]
It's about six hours, but every minute worth to watch.
thisandthat - 27. May, 21:45
Die Story: Peter und Jan, die selbsternannten „Erziehungsberechtigten“, brechen nachts in Villen ein, während deren Besitzer auf Urlaub sind. Sie stehlen nichts, sondern verstellen die Möbel – die Stereoanlage in den Kühlschrank, das Sofa in den Swimmingpool - und hinterlassen eine Botschaft: „Die fetten Jahre sind vorbei.“. So wollen sie den Reichen ihr Gefühl von Sicherheit nehmen, ihnen jedes Mal, wenn sie am Bankschalter stehen, eine leise Stimme ins Ohr zu setzen, die ihnen zuflüstert: „Sie haben zu viel Geld!“
Eines Nachts werden sie erwischt und in Folge zu Entführern wider Willen…
Eine gelungene Kombination aus Amateurfim-Stil, Idealismus und intelligentem Humor, ein gesellschaftskritischer, idealistischer Film, der aber nicht nur verurteilt, sondern auch aufzeigt, dass die Welt sich letztendlich doch nicht so einfach in Schwarz und Weiß einteilen lässt. Drei Jugendliche, die sich ganz bewusst von der Herrschaft des Kapitalismus distanzieren und über ihre Ideale nicht nur reden, sondern diese leben, und das Opfer der unfreiwilligen Entführung, einer, der vom System profitiert, aber deshalb auch nicht unbedingt glücklicher ist, verbringen ein paar Tage mit politischen Diskussionen in einer Berghütte. Dabei finden sie bald heraus, dass ihr Gefangener – früher selbst ein Linker, der Haschisch geraucht und freie Liebe praktiziert hat - ihnen gar nicht so unähnlich ist.
Paul Weingartner Werk, das ihm eine Einladung nach Cannes einbrachte, ist eine Gegenüberstellung zweier völlig verschiedener Welten – auf der einen Seite Jan, Peter und Jule, die sich nicht mit der Wohlstandsgesellschaft, in der sie aufgewachsen sind, ohne je wirklich dazugehört zu haben, identifizieren können, auf der anderen Seite die Welt der Großen, (Erfolg)reichen in der Person des gar nicht so unsympathischen Managers Hardenberg.
Das Handkamera-Bild und die in vielen Szenen abwesende Musik, die jedem kleinen Geräusch (dem Kratzen eines Schlüssels über den Lack eines Autos, dem Rascheln, das beim Öffnen eines Briefes entsteht…) Bedeutung verleiht, sorgen für eine ganz eigene, authentische Stimmung. Sieht man den Film im Kino, fühlt man sich richtig hineinversetzt in diese Welt; zu Hause am Fernseher ist das Erlebnis ein bisschen gedämpfter, man bleibt Zuschauer, nicht Mitleber, was den Film aber nicht weniger sehenswert macht.
Anschauen und Nachdenken über Politik und Geld, Freundschaft, Liebe und die Ideale, die man hat(te) oder auch nicht. Und die Botschaft? Vielleicht kommt es nicht so sehr darauf an, seine Ziele um jeden Preis zu erreichen, als darauf, sich selbst treu zu bleiben und seine Werte nie ganz aufzugeben, auch wenn sich die Welt weiterdreht.
thisandthat - 28. Aug, 13:44
Nachdem B. immer wieder von "Harry und Sally" schwärmt, hab ich mir das Video ausgeborgt und endlich auch mal angeschaut. - Eine dieser Liebesgeschichten, bei denen man von Anfang an weiß, wie sie ausgehen werden - aber trotzdem irgendwie ein bisschen anders!
Harry ist davon überzeugt, dass platonische Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht möglich ist (wie wahr, wie wahr…;P), aber Sally überzeugt ihn vom Gegenteil – bis die beiden schließlich doch miteinander im Bett landen, danach nicht mehr miteinander reden und zu guter Letzt dann doch noch zueinander finden.
Dialoge, die einen zum Lachen oder Nachdenken bringen –
Harry und Sally treffen einander am Flughafen.
Harry: Du gehst mit Joe? Einfach großartig. Das mit euch geht seit drei Wochen, ja?
Sally: Einen Monat. Woher wusstest du das?
Harry: Wenn der eine den anderen zum Flughafen bringt, ist das der Anfang einer Beziehung. Deswegen bringe ich grundsätzlich nie jemanden am Anfang einer Beziehung zum Flughafen.
Sally: Wieso?
Harry: Weil sich die Dinge ändern und man den Anderen plötzlich nicht mehr zum Flughafen bringen möchte. Und ich wollte doch verhindern, dass mich jemand fragt: „Wieso bringst du mich eigentlich nicht mehr zum Flughafen?“
Sally erzählt von ihrer Trennung:
Sally: Ich habe die Wohnung bekommen.
Harry: Darüber scheint jeder froh zu sein. Aber was ist denn so schwer daran, eine Wohnung zu finden? Du musst nur täglich die Todesanzeigen lesen. Du stellst fest, wer gestorben ist, gehst dann zu der Adresse und schmierst den Hausmeister. Sie könnten es uns allen viel leichter machen, indem sie die Todesanzeigen im Wohnungsmarkt platzierten. Dann würde da stehen „Mr. Klein hinterlässt eine Frau und zwei Kinder und eine sehr großzügig geschnittene Wohnung mit offenem Kamin.“
Harry, als er Sally am Ende zurückerobert: Wenn man begriffen hat, dass man zusammen den Rest des Lebens verbringen will, dann will man, dass der Rest des Lebens so schnell wie möglich beginnt.
Lustig, ohne etwas ins Lächerliche zu ziehen und romantisch, aber nie kitschig – eine gelungene Mischung und durchaus sehenswert. Nicht spannend, unvorhersehbar oder sonderlich unkonventionell, dafür einer jener seltenen Filme, nach denen man mit einem Lächeln vom Fernseher aufsteht und mit dem Gefühl, dass die Welt doch noch in Ordnung ist…
thisandthat - 19. Jul, 13:07
Man kann Fight Club auch mal „anders“ sehen: Gestern, im Rahmen einer Cultural/Gender Studies-mäßigen Lehrveranstaltung gab es einen DVD-Abend in einem Pub. Total gemütlich, und abgesehen davon kann man Filme wie Fight Club sowieso nicht oft genug gesehen haben.
Als ich Fight Club zum ersten Mal gesehen habe, war ich einfach von der Idee, der Geschichte begeistert. Gestern sollten wir bewusst auf das, was zwischen den Zeilen… äh, Bildern steht, achten. Beim der anschließenden Diskussion gab es einiges an Interpretationsvorschlägen:
Den feministischen Standpunkt (Mala Zinger ist die von einer patriarchalischen Gesellschaft unterdrückte Frau, sie will (im übertragenen Sinne) „singen“ (daher auch der Name), aber keiner hört sie. Am Ende wird sie nicht mehr als unterlegen, sondern gleichberechtigt angesehen (die Szene mit dem Händchenhalten und das Happy End, die zusammenstürzenden Hochhäuser als fallende Phallus-Symbole).
Den politischen Standpunkt: Das ganze erinnert an 0911, interessanterweise ist der Film aber älter. Auflehnung gegen eine kapitalistische Konsum-Gesellschaft, Anarchie, dann aber wieder Aufbau eines faschistische Systems mit Struktur und Regeln, der Wunsch nach Macht und Einfluss…
Die Seife fungiert als Symbol für die „Schlüpfrigkeit“, die Vergänglichkeit jedes politischen Systems (gleichzeitig natürlich auch für „take ist easy“, „gleite“ durch dein Leben).
Den Gender-Studies Ansatz: Brad Pitt als eine gegen ihren Schöpfer (Edward Norton) rebellierende Eva (Parallelen zu Genesis – auch Gott und Adam „verlieren die Kontrolle“ über Eva). [Brad Pitt! Rebellierende Eva!!! *brüll!*]
Den psychologischen Standpunkt, der sich mit Tyler Durdans Schizophrenie auseinandersetzt…
Eine interessante Frage wurde aufgeworfen: Warum ist die Antwort auf Langeweile Männlichkeit (Kampf) und nicht zum Beispiel ein Blumenzüchterclub? (Ich würde mal sagen, weil kaum jemand ins Kino gegangen wäre um einen Film über eine Gruppe gesellschaftlicher Außenseiter zu sehen, die einen neuen Lebensinhalt im Philosophieren über den Unterschied zwischen hellgelben und dunkelgelben Tulpen finden).
Und noch etwas interessantes ist mir aufgefallen: Im Kettcar-Song „Ich danke der Academy“ kommen zwei englische Sätze vor („I’d like to thank the academy“ und „The movie goes on, and nobody in the audience has any idea.“) Die sind beide aus der Englischen Fight-Club Version entnommen (Original-Stimmen…)
Was allerdings auch gesagt werden muss: Chuck Palahniuk (der Autor) hat einmal in einem Interview gesagt, dass er ganz einfach ein Buch geschrieben hat (weil ihm eben danach war, ein Buch zu schreiben, einfach aus Spaß an der Sache), dass er sich eine Geschichte ausgedacht hat, nicht mehr und nicht weniger, und keinerlei Gedanken daran verschwendet hat, diverse versteckte Botschaften einzubauen.
Also entweder hat sein Unterbewusstsein (das Freud’sche „Es“, die dunkle Seite seiner Seele oder was auch immer) ihm das Buch diktiert, oder aber das ist wieder mal ein Beispiel dafür, wie leicht man Dinge sehen kann, die eigentlich gar nicht da sind…
thisandthat - 4. Jun, 09:39