Die Wichtigkeit der kleinen Wörter im Dschungel der großen
Manchmal begegnen wir Sätzen, ja ganzen Texten, die so verschachtelt, so verschlungen sind wie ein Irrgarten, Texte, die wir ganz oben, beim ersten Wort, betreten, eine Fackel in der Hand und uns vorsichtig, fast ein bisschen ehrfürchtig, umschauen. Unsere Schritte hallen, wir können weder das obere Ende sehen noch vor uns eine Grenze, der Feuerschein verschwimmt mit der dunklen Endlichkeit vor uns. Wir kennen unsere Richtung nicht, tasten uns vorsichtig voran, unsicher, wohin wir uns wenden sollen, so vielfältig sind die Himmelsrichtungen hier. Doch dann - plötzlich – stolpern wir über ein kleines, ein ganz kurzes, ein unscheinbares, ein Wort, dass vor uns am Wegrand sitzt, die Beine lässig überschlagen, und damit kämpft, den Mund weit genug aufzukriegen, um von seinem Wurstbrot abbeißen zu können. Das Du ist so vertieft in seine Jause, dass es uns erst bemerkt, als wir direkt vor ihm stehen. Es schreckt kurz hoch, dann lacht es uns fröhlich an und sagt: „Hey, ich bin’s – das Du! Gehen wir einen Kaffee trinken?“ Es streckt uns seine Hand entgegen, und nun haben wir etwas, an dem wir uns festhalten können. Das Du muss eigentlich gar nichts mehr sagen, um uns zu vermitteln, dass es unser Freund ist, dass wir ihm vertrauen können, weil es die Wahrheit ist, und dass wir uns ab jetzt nicht mehr fürchten müssen. Sicher, lächelt das du, wird es uns durch das Labyrinth der großen Wörter führen. Es biegt einmal rechts ab, einmal links, unterhält uns mit kurzweiligen Erklärungen der Ausdrücke, denen wir begegnen, zeigt uns, wie wir an Lianensätzen über Schluchten schwingen und metaphorische Kokosnüsse knacken können, und ehe wir uns versehen, stehen wir auch schon am anderen Ende des Textes, müssen das du loslassen, unseren neuen Freund, fast ein bisschen traurig sehen wir ihn im Wörterdschungel untertauchen.
Abgesehen davon, dass ich Wörter im Allgemeinen mag, gibt es ganz bestimmte Buchstabenstücke, die ich ganz besonders gern habe. Du ist eines davon. Das Du ist als Stilmittel von enormer Wichtigkeit, denn es sagt dem Leser, dass es sich bei dem eben Beschriebenen um etwas jederzeit von ihm Nachvollziehbares handelt. Es fordert ihn auf, sich auf das du einzulassen, Freundschaft mit seinem ganzen Satz und der Umgebung zu schließen, das Du vermittelt dem Er die Fähigkeit, durch die Augen des Ich zu sehen, es spricht ihn persönlich an, lächelt und ist sympathisch. Das Du wird für den Leser der kleine grüne Kaktus draußen am Balkon, der eine sichere Ort, an den er jedes Mal zurückkehren kann, wenn er sich im Wörterdschungel zu verlaufen droht, das Stückchen Bekanntheit mitten in der Fremde, die Mc Donald’s Filiale in der Wüste, das Lächeln unter Tausend fremden Gesichtern.
Es gibt kein anderes Wort, dass das Du ersetzen könnte. Vertauschte ich es beispielsweise mit einem man, wäre der Sinn des Satzes ein völlig anderer, fast ein gegensätzlicher. Das man ist unpersönlich - nicht unfreundlich, aber auch nicht nett – dem man ist das Er egal. Das Er, denkt das man, soll doch bleiben, wo der Pfeffer wächst.
Wenn ich ein man verwende, stelle ich eine allgemeingültige Wahrheit in den Raum. Eine Wahrheit, die nicht kritisiert werden darf und dem Leser aber auch nicht besonders nachvollziehbar erscheint, weil sie ihn in ihrer Allmacht einfach überfährt, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, das Beschriebene auf sich selbst umgelegt zu prüfen.
Eine weitere mögliche Ersatzmöglichkeit wäre der gesamte Satz im Passiv. Dadurch werden sowohl du als auch man vermieden und der Satz als ganzer auf eine abstrakte, harte Ebene gehoben. Der Wörterdschungel eines passiven Textes ist nicht der verschlungene Trampelpfad unter Comic-Palmen und aufwärts fließenden Wasserfällen, Hängebrücken, Krokodilflüssen und Regenbögen eines Du, auch nicht die staubige Eintönigkeit der Wüstenlandschaft eines man, sondern ein komplexes dreidimensionales Netz, das in seiner strukturellen Durchdachtheit und Genauigkeit nur dem Autor zugänglich ist, und hat somit noch weniger mit dem du gemeinsam als das man.
Du ist nicht allein. Auch Menschen, eigentlich und kreativ gehören zu seinen Genossen. Ich mag diese Wörter mehr als alle anderen, und ich kenne jemanden, der sie verbieten möchte. Ein Duverbot ist, als würde man alle Notrufsäulen an der Autobahn abmontieren. Wie kann man das nur wollen?
Abgesehen davon, dass ich Wörter im Allgemeinen mag, gibt es ganz bestimmte Buchstabenstücke, die ich ganz besonders gern habe. Du ist eines davon. Das Du ist als Stilmittel von enormer Wichtigkeit, denn es sagt dem Leser, dass es sich bei dem eben Beschriebenen um etwas jederzeit von ihm Nachvollziehbares handelt. Es fordert ihn auf, sich auf das du einzulassen, Freundschaft mit seinem ganzen Satz und der Umgebung zu schließen, das Du vermittelt dem Er die Fähigkeit, durch die Augen des Ich zu sehen, es spricht ihn persönlich an, lächelt und ist sympathisch. Das Du wird für den Leser der kleine grüne Kaktus draußen am Balkon, der eine sichere Ort, an den er jedes Mal zurückkehren kann, wenn er sich im Wörterdschungel zu verlaufen droht, das Stückchen Bekanntheit mitten in der Fremde, die Mc Donald’s Filiale in der Wüste, das Lächeln unter Tausend fremden Gesichtern.
Es gibt kein anderes Wort, dass das Du ersetzen könnte. Vertauschte ich es beispielsweise mit einem man, wäre der Sinn des Satzes ein völlig anderer, fast ein gegensätzlicher. Das man ist unpersönlich - nicht unfreundlich, aber auch nicht nett – dem man ist das Er egal. Das Er, denkt das man, soll doch bleiben, wo der Pfeffer wächst.
Wenn ich ein man verwende, stelle ich eine allgemeingültige Wahrheit in den Raum. Eine Wahrheit, die nicht kritisiert werden darf und dem Leser aber auch nicht besonders nachvollziehbar erscheint, weil sie ihn in ihrer Allmacht einfach überfährt, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, das Beschriebene auf sich selbst umgelegt zu prüfen.
Eine weitere mögliche Ersatzmöglichkeit wäre der gesamte Satz im Passiv. Dadurch werden sowohl du als auch man vermieden und der Satz als ganzer auf eine abstrakte, harte Ebene gehoben. Der Wörterdschungel eines passiven Textes ist nicht der verschlungene Trampelpfad unter Comic-Palmen und aufwärts fließenden Wasserfällen, Hängebrücken, Krokodilflüssen und Regenbögen eines Du, auch nicht die staubige Eintönigkeit der Wüstenlandschaft eines man, sondern ein komplexes dreidimensionales Netz, das in seiner strukturellen Durchdachtheit und Genauigkeit nur dem Autor zugänglich ist, und hat somit noch weniger mit dem du gemeinsam als das man.
Du ist nicht allein. Auch Menschen, eigentlich und kreativ gehören zu seinen Genossen. Ich mag diese Wörter mehr als alle anderen, und ich kenne jemanden, der sie verbieten möchte. Ein Duverbot ist, als würde man alle Notrufsäulen an der Autobahn abmontieren. Wie kann man das nur wollen?
thisandthat - 1. Dec, 00:29

