Wien

Thursday, 19. June 2008

...

"Wir wollen den Besuchern die Möglichkeit bieten, die Bücher mit nach Hause nehmen zu können, ohne sie stehlen zu müssen", so Potyka.

Thursday, 12. June 2008

Paul und ich

Ein Gesprächsfetzen: „... mein Lebensabschnittspartner und ich ...“ Die Sprecherin Ende zwanzig. Beige Jacke. Dunkelblond. Lebensabschnittspartner, denke ich, und versuche, mir eine Situation vorzustellen, ich der ich „mein Lebensabschnittspartner und ich“ sagen würde, ohne dass es absurd klänge. Ein Subjekt aus sechs Silben Lebensabschnittspartner und einem mickrigen, dahinter fast verschwindenden „ich“. Die Fremde sagt es gekonnt nebenbei, als würde sie den ganzen Tag nichts anderes tun, als von Lebensabschnittspartnern zu reden. So, als würde sie „Emmentalersemmel“ sagen, beim Spar an der Käsetheke. Das erste E ein bisschen nachdrücklicher, die mmentalersemmel, den bensabschnittspartner, als elegante, leiser werdende Kringel hinterher.

„Mein Lebensabschnittspartner und ich“, sage ich, während ich mich vom Westbahnhofsgedränge Richtung U6 schieben lasse und beschließe, bis zum Ende der EM nur noch Fahrrad zu fahren, „waren gestern im Theater.“ Nein. Das funktioniert nicht. Ich versuche vergleichsweise die Emmentalersemmel: „20 dag Faschiertes und eine Emmentalersemmel, bitte.“
„Schwein? Rind? Gemischt?“
„Gemischt.“
„Ein Kaisersemmerl oder ein Langsemmerl?“
„Ein Kaisersemmerl bitte.“
„Darf’s sonst noch was sein?“
„Nein, das wär alles.“

Was stört, überrascht oder fasziniert mich an der Situation so sehr, dass ich ganze sechs U-Bahnstationen später immer noch in Gedanken bei beige Jacke, Ende zwanzig, dunkelblond verweile? Diese Angst. Dieses Sich-selbst-ein-Ablaufdatum verpassen. Man ist modern. Man partnert sich durch seine Abschnitte. Man bewegt. Leben Veränderung, Stillstand gleich Tod. Chop-chop.

Ich stelle mir vor, ich wäre Ende zwanzig, beige Jacke, dunkelblond und hätte einen Lebensabschnittspartner. Ich denke ihm einen Namen. Einsilbig soll er sein. Paul, das klingt nett und unverfänglich. Paul, das hat durchaus Lebensabschnittspotential. Ich versuche also, während die U6 durch den Regen rattert: „Paul und ich...“ Wesentlich besser. Trotzdem unverfänglich. Gleichzeitig exakt.

Ich frage mich (und denke dabei hungrig an Emmentalersemmeln), wann die Paul und ichs dieser Stadt zu Lebensabschnittspartnern geworden sind. Und was ich sonst noch verpasst habe in den letzten eineinhalb Jahren. Und bin dabei (während ich eine Gurkenscheibe in meine Emmentalersemmel denke) eigentlich ganz froh, dass ich das nicht weiß.

paramañana.

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